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Wetterstation - Hintergrund

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Die Anlage wurde im Mai 2000 durch Jörg Kachelmann eingeweiht. Seither können ihre Wetterdaten auch im Internet abgefragt werden. Von diesem Moment an ist sie eine von ca. 420 Messstationen der Meteomedia AG von Jörg Kachelmann. Die Station liefert jedoch schon seit November 1999 Wetterdaten, die stündlich an eine Wetterzentrale gesandt werden.

 

Folgende Daten werden erfasst:

  • Lufttemperatur in 2 m Höhe
  • Lufttemperatur in 5 cm Höhe
  • Niederschlagsmenge und -dauer
  • Luftfeuchtigkeit
  • Windgeschwindigkeit
  • Windrichtung
  • Sonnenscheindauer
  • Sichtweite

Die ermittelten Daten werden von Meteorologen in allen Prognosen verarbeitet, sowie in einer Datenbank gespeichert. Dank dieser Speicherung ist die Erstellung von Monats-, Quartals- oder Jahresstatistiken bzw. Wetterberichten möglich.

Aktuelle- bzw. Extrem-Werte werden im Hörfunk und Fernsehen gemeldet:

  • WDR-Videotexttafel 166 u.a., ARD-Videotexttafel 323
  • ARD: Wetter im Ersten (werktags um 19.50Uhr), Morgenmagazin, u.a.
  • WDR-Hörfunk: WDR 2, täglich um 10.40Uhr, u.a.
  • WDR-Fernsehen: Aktuelle Stunde, u.a

Macht eine Wetterstation hier Sinn? ― Klimafaktoren im Medebacher Raum

Nordrhein-Westfalen gehört fast vollständig dem Nordwestdeutschen Klimabereich an. Nur die südöstlichen Teile des oberen Weserberglandes und der Südostabhang des Rothaargebirges, somit auch die sog. Medebacher Bucht, zeigen schon Merkmale des subkontinentalen Klimabereichs Westliches Mitteldeutschland.

Damit liegt NRW in einem überwiegend maritim geprägten Bereich mit Westwind vom Atlantik mit allgemein kühlen Sommern und milden Wintern. Gelegentlich kommt es durch kontinentalen Einfluss zu längeren Phasen hohen Luftdrucks.

Nach der Klassifikation von KÖPPEN zählt NRW zum warm gemäßigten Regenklima, bei dem die mittlere Lufttemperatur des wärmsten Monats unter 22°C und die des kältesten über -3°C bleibt. Diese grobe Einteilung wird den tatsächlichen Gegebenheiten nicht gerecht.

Die zum Teil ausgeprägte Struktur des Reliefs auf engem Raum bewirkt erhebliche klimatische Unterschiede.

So gibt die Hauptwindrichtung aus Westen markante Luv- (windzugewandte) und Lee- (windabgewandte) Gebiete vor:

  • auf den Luvseiten mit stärkerer Bewölkung, weniger Sonnenschein und größeren Regenmengen (verursacht durch den Stau und den Aufstieg der Wolken).
  • auf den Leeseiten mit weniger Bewölkung und Niederschlag, dafür aber mehr Sonnenschein.

Ein hierfür typisches Gebiet ist das Rothaargebirge bei Medebach. Liegt die jährliche Regenmenge nur wenige Kilometer westlich auf dem Kahlen Asten bei 1457 mm, fallen in der Medebacher Bucht nur 783 mm Regen im Jahr. Der Grund hierfür ist die Lage Medebachs im "Regenschatten" des Rothaargebirges.

Das Rothaargebirge erzeugt als Barriere nicht nur einen Regenschatten, sondern es bildet durch seine Lage auch die östliche Grenze des nordwestdeutschen Klimabereichs, weil es die Luftbewegungen in West-Ost-Richtung und umgekehrt einschränkt.

Zahlreiche Klimaelemente zeigen in der räumlichen Verteilung eine Abhängigkeit von der Geländehöhe über dem Meer. Außer den obengenannten Luv- und Lee-Effekten sind dies z.B. Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit sowie Bewölkung und Nebel.

Die Medebacher Bucht weist einerseits mit 400-600 m.ü.N.N. eine deutlich niedrigere Höhenlage auf als der westlich gelegene Kamm des Rothaargebirges mit bis zu 843 m.ü.N.N.. Andererseits liegt Medebach auf einer Hochfläche und somit höher als das südöstlich angrenzende Waldecker Land 200-400 m.ü.N.N.

Diese naturräumlichen Gegebenheiten sind einzigartig in ganz NRW und auch im Hochsauerland. Sie haben Einfluss auf die verschiedenen Klimaelemente und machen eine kontinuierliche Wetterbeobachtung an dieser Stelle erst interessant. Der folgende Überblick soll über die hier auftretenden Wetterphänomene Aufschluss geben:

  • Die Temperatur nimmt mit zunehmender Höhe in der Regel ab, so dass die Temperatur auf der Geländestufe der Medebacher Bucht einen Übergang zwischen den angrenzenden tieferen und höheren Gebieten darstellt (Waldeck: milder, Rothaargebirgskamm: kühler). Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei etwa 8°C (Kahler Asten: ca. 5°C).
  • Bei schwachem Wind sinkt vor allem in Winternächten die kalte Luft vom Rothaargebirge in die Medebacher Bucht ab und sorgt hier im Vergleich zum Umland für kältere Nachttemperaturen („Kaltluftsee“).
  • Bei Süd-/Ostwetterlagen wird hier am Hang des Rothaargebirges die Luft gezwungen aufzusteigen und kühlt sich ab, während sie auf der anderen Seite des Rothaargebirges (z.B. Raum Olsberg) den Berg „föhnartig“ hinunterkommt und sich erwärmt.

An Wintertagen mit Wind aus Südost bis Süd kann es dann in der Medebacher Bucht gehäuft zu niedrigen Temperaturen mit Nebel oder Dunst kommen.

An Wintertagen mit Wind eher aus Nordost ist dagegen meistens schönes kaltes Wetter mit niedrigen Temperaturen zu erwarten.

Winterliche Tauwetterlagen treten im Vergleich zum westlichen Hochsauerland verzögert oder gar nicht ein, da der dann auftretende milde Westwind, bedingt durch den Rothaargebirgskamm, die kalte Luft in der Medebacher Bucht nicht ausreichend erreichen und durchmischen kann.

  • Aufgrund der Höhenlage ist die Nebelhäufigkeit in der Medebacher Bucht geringer als im östlich und niedriger gelegenen Waldecker Land.
  • Bei Westwetterlagen wirkt das Rothaargebirge als Barriere. Wettererscheinungen wie Regen, Wolkennebel oder auch Wind werden abgeschwächt bzw. erreichen die Medebacher Bucht nicht.

Der Westwind muss vom Rothaargebirge in die Medebacher Bucht absinken, dabei erwärmt er sich und sorgt für milderes, trockeneres und sonnenscheinreicheres Wetter als im Westen (z.B. Winterberger Hochfläche).

Weiter nach Osten verstärkt sich dieses Phänomen, so dass im östlich gelegenen Korbach der Jahresniederschlag um weitere 100 mm im Vergleich zu Medebach abnimmt.

  • Durch die Höhenlage und die Nähe zum Rothaarkamm gibt es in Medebach im Winter meistens mehr Schnee und Regen als in den südöstlich angrenzenden Gebieten. Durch den o.g. „Regenschatten“ und die geringere Höhe schneit es aber im Medebacher Raum nachweislich weniger als im westlichen Hochsauerland.

Die genannten Phänomene machen diesen Standort für eine Wetterstation sicherlich sinnvoll, insbesondere kann ihre ständige Beobachtung für lokale bzw. regionale Wettervorhersagen in diesem Teil Nordrhein-Westfalens und angrenzenden Gebieten in Zukunft hilfreich sein.

von Frank Föhrer


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